50 Jahre Erfahrungen mit dem Elektroweidezaun

Gegründet wurde die Firma 1953 vom Elektromeister Curt Seidel zur Verwertung eigener Patente. Ein Universal-E-Antrieb für Rübenschneider, Zentrifugen und Schleifmaschinen und die elektrische Baumkuchenmaschine waren auf seinen Namen patentiert. Rechte auf letzteres verkaufte er für 6 000 Reichsmark an einen Unternehmer im Sächsischen. Außerdem als Nebenerwerbslandwirt tätig, verlegte er sich auf Weidezäune und alles was dazu gehört. Der Isolator Form 241 mit der Profilstütze und der Splintbefestigung, heute eine gängige Befestigungsart, war eines der Patente von Curt Seidel, das in großen Stückzahlen zur Anwendung kam. Er setze Maßstäbe, mit einer Durchschlagfestigkeit von 18 000 Volt bei Nässe und 24 000 Volt bei Trockenheit sowohl in der Isolation als auch in der Handhabbarkeit und Haltbarkeit.

Die Tochter Marlies studierte Landwirtschaft und schloß mit den besten Noten ab. Nach einem Assistenzjahr auf einem volkseigenen Gut erkrankte ihr Vater und sie sollte den Betrieb auslaufen lassen. Es gab inzwischen 8 Mitarbeiter, sie stellten rund 150 000 Weidepfähle und eine halbe Million Isolatoren im Jahr her. Stattdessen führt Marlies Lott den Betrieb nun seit über 30 Jahren.

Ein Brand, dessen Ursache nie geklärt wurde, vernichtete 1966 die Produktionsräume und eine fabrikneue 35-Tonnen-Stanze, an die man nur durch Zufall gelangt war. Das Feuer setze dem unversichertem Unternehmen eine herben Schlag. Man produzierte zwar weiter, doch erst mal behelfsmäßig, bei weitem nicht in den einstigen Dimensionen, dann in fünf Fertigteilgaragen, mit viel Handarbeit und Maschinen, die meist noch aus der Vorkriegszeit stammten. Um Aufträge und Absätze brauchte man sich nicht zu sorgen, das regelte der staatliche Handel. Der Fachausschuß Elektroweidezaun der Kammer der Technik, dem der Bruder Manfred Seidel später viele Jahre angehörte, stellte die Weichen für das Sortiment.

Mit der Wende kam die Hoffnung auf eine neue Zeit. Mit der Währungsunion jedoch stürzt die Firma Seidel auf Punkt Null. Die acht Angestellten, durchweg Frauen, müssen gehen. Man ist dennoch fest entschlossen, wieder Fuß zu fassen. Der Bruder und die Schwägerin ziehen den Blaumann an und stellen sich in die Werkstatt, die Tochter (promovierte Gartenbauingenieurin) und der Sohn (Bauingenieur) helfen mit. Die Chefin versucht ein eigenes Vertriebsnetz aufzubauen. Im zweiten Halbjahr 1990 sinkt der Umsatz auf 0,2 Prozent der über Jahrzehnte erzielten Summe. Kurz zuvor hatte der Bruder noch einen neuen Vollplast-Isolator konstruiert und gezeichnet. Ein Spitzenprodukt auch bei Regen und Unwetter. Darauf setzt die Firma ihre Hoffnung. Doch für den Werkzeugbau, der knappe 50 000 DM kostet, reicht das Geld nicht. Am Ende reicht das Wirtschaftministerium 20 000 DM Fördermittel. Auch viele alte Kunden melden sich wieder.

Inzwischen fertigt der Betrieb, ganz in Familie, wieder 40 000 Weidepfähle im Jahr. Gerade ist ein neues Modell für Pferdekoppeln als Alternative zum Plastepfahl dazugekommen. Marlies Lott läßt keine Messe aus. Statt prospektgefüllter Tragetaschen gibt sie einen Isolator zum Testen mit nach Hause. Sie liefert alles persönlich aus, damit sie die Produkte noch mal an Ort und Stelle erläutern kann.